In der EU fallen jährlich etwa 32 Millionen Tonnen Kunststoffabfälle an. Das entspricht ca 1,6 Millionen voll beladenen LKWs, aneinandergereiht ergäbe das eine Kolonne von fast 30.000 km Länge, also fast drei Viertel des Erdumfangs. Eine unvorstellbar große Menge, von der heute je nach Kunststoffverpackungsart 35 bis 45 Prozent recycelt werden. Der überwiegende Teil wird jedoch weiterhin verbrannt oder anderweitig entsorgt.

2018 stellte die Europäische Union ihre Kunststoffstrategie vor. Seitdem wurden zahlreiche Maßnahmen beschlossen und teilweise bereits umgesetzt. Heute ist die Strategie ein zentraler Bestandteil des europäischen Green Deal und der Kreislaufwirtschaftspolitik, mit dem Ziel Kunststoffe konsequent in eine funktionierende Kreislaufwirtschaft zu integrieren. Bis 2030 sollen Verpackungen deutlich recyclinggerechter gestaltet werden. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an den Einsatz von Rezyklaten, an die Wiederverwendbarkeit von Verpackungen und an die Vermeidung unnötiger Einwegprodukte.

Darauf sollten Sie sich heute einstellen:

Der Wandel im Kunststoff- und Verpackungsmarkt ist längst kein Zukunftsszenario mehr, sondern bereits durch konkrete EU-Regulierungen geprägt. Mit der Umsetzung der EU-Verpackungsverordnung (PPWR) und weiteren Umweltvorgaben entstehen klare Anforderungen, die Produktion, Materialwahl und Produktdesign direkt betreffen.

Durch die Erweiterte Herstellerverantwortung (EPR) sind Unternehmen verpflichtet, sich finanziell und organisatorisch stärker an Sammlung, Sortierung und Recycling ihrer Verpackungen zu beteiligen, sowie umfassende Registrierungs- und Nachweispflichten zu erfüllen.

  • Verpackungen müssen recyclingfähig und regelkonform gestaltet sein: Die Anforderungen an Verpackungen haben sich deutlich verschärft. Recyclingfähigkeit ist nicht mehr nur ein Ziel, sondern ein verbindlicher Standard. Entscheidend ist dabei nicht die theoretische Recyclingfähigkeit, sondern die tatsächliche Verwertbarkeit in bestehenden Sammel- und Recyclingsystemen.

Ihre Chance: Setzen Sie frühzeitig auf „Design for Recycling“. Verpackungen sollten so entwickelt werden, dass sie sortenrein trennbar sind und in großtechnischen Recyclingprozessen zuverlässig verarbeitet werden können.

  • Rezyklatanteile werden zum Wettbewerbsfaktor: Der Einsatz von Recyclingmaterialien ist in immer mehr Verpackungsanwendungen verpflichtend oder durch Quoten vorgegeben. Damit verändert sich die Rohstoffbasis der gesamten Verpackungsindustrie nachhaltig.

Ihre Chance: Integrieren Sie Rezyklate frühzeitig in Ihre Materialstrategie. Unternehmen, die stabile Lieferketten für Recyclingmaterialien aufbauen, sichern sich langfristig Kosten- und Versorgungsvorteile.

  • Einwegverpackungen stehen weiterhin unter Druck: Die EU reduziert den Einsatz von Einwegkunststoffen konsequent weiter. Bereits verbotene Produktgruppen werden durch zusätzliche Einschränkungen ergänzt, insbesondere im Bereich Food Service, Versandverpackungen und Konsumgüter.

Ihre Chance: Prüfen Sie systematisch den Umstieg auf Mehrweg- oder wiederverwendbare Verpackungslösungen. Gerade im Handel und E-Commerce entstehen zunehmend wirtschaftlich tragfähige Rücknahmesysteme.

  • Mikroplastik wird weitgehend reguliert: Der absichtliche Einsatz von Mikroplastik ist in der EU inzwischen stark eingeschränkt oder verboten. Für verbleibende industrielle Anwendungen gelten strenge Übergangsregelungen und Nachweispflichten.

Ihre Chance: Ersetzen Sie betroffene Rohstoffe konsequent durch umweltverträglichere Alternativen. Frühzeitige Anpassungen erleichtern nicht nur die Compliance, sondern verbessern auch die Produktkommunikation.

  • Biokunststoffe bleiben eine ergänzende Lösung: Biobasierte oder biologisch abbaubare Kunststoffe werden weiterhin eingesetzt, spielen jedoch vor allem in Nischenanwendungen eine Rolle. Die EU bewertet Materialien zunehmend danach, wie gut sie sich in bestehende Recycling- und Kreislaufsysteme integrieren lassen.

Ihre Chance: Fokussieren Sie sich nicht allein auf Materialalternativen, sondern auf ganzheitliche Kreislauflösungen. Entscheidend ist die Integration in funktionierende Rücknahme-, Sortier- und Recyclingstrukturen.

  • Verpackungsvermeidung und weniger Materialeinsatz: Die EU rückt neben der Recyclingfähigkeit zunehmend die Vermeidung von Verpackungen in den Fokus. Vorgaben zur Reduzierung von unnötigem Verpackungsmaterial, Leerraum und Überverpackungen sowie standardisierte Verpackungsformate werden dabei immer wichtiger.

Ihre Chance: Reduzieren Sie den Materialeinsatz konsequent und optimieren Sie Verpackungsdesigns auf Funktionalität und Effizienz. Leichtere, schlankere Verpackungslösungen senken Kosten und erfüllen gleichzeitig künftige regulatorische Anforderungen.