Wenn Sie ein klares Verständnis Ihrer Beschaffungsprozesse und Ihrer Lieferkette entwickelt und eine geeignete Strategie für nachhaltige Beschaffung definiert haben, geht es im nächsten Schritt darum, diese Anforderungen konsequent in die Praxis umzusetzen. Dabei haben sich auch heute noch einige zentrale Erfolgsfaktoren bewährt. Gleichzeitig ist zu beachten, dass nachhaltiges Lieferkettenmanagement mittlerweile stärker reguliert und systematischer ausgestaltet ist als noch vor einigen Jahren.

Im Wesentlichen stützt sich die Umsetzung auf fünf zentrale Handlungsfelder.

Erfolgsfaktor 1: Verpflichtung der Lieferanten auf verantwortungsvolle Standards

Die Grundlage für eine nachhaltige Lieferkette bildet weiterhin ein klar formulierter Verhaltenskodex (Code of Conduct). Mit ihm definiert Ihr Unternehmen die sozialen, ökologischen und ethischen Anforderungen an seine Lieferanten. Entscheidend ist, dass diese Anforderungen nicht nur intern festgelegt, sondern auch deutlich kommuniziert werden.

Um Verbindlichkeit zu schaffen, sollte der Verhaltenskodex von den Lieferanten unterzeichnet und möglichst vertraglich verankert werden. Darüber hinaus erwarten viele Unternehmen heute, dass ihre direkten Lieferanten die Anforderungen auch an ihre eigenen Zulieferer weitergeben.

Inhaltlich orientieren sich moderne Verhaltenskodizes zunehmend an internationalen Referenzrahmen wie den Leitprinzipien der Vereinten Nationen oder den OECD-Leitsätzen für verantwortungsvolles Wirtschaften. Damit wird sichergestellt, dass die Anforderungen nicht nur unternehmensintern, sondern auch global anschlussfähig sind.

Erfolgsfaktor 2: Selbstbewertung der Lieferanten als erster Schritt

Die Selbstbewertung der Lieferanten ist weiterhin ein wichtiges Instrument, um einen ersten Überblick über deren Nachhaltigkeitsleistung zu gewinnen. Sie erfolgt in der Regel über strukturierte Fragebögen und umfasst sowohl allgemeine Unternehmensinformationen als auch Angaben zu Umwelt- und Sozialstandards.

Ziel dieser Selbstauskunft ist es, Risiken frühzeitig zu erkennen und Transparenz in der Lieferkette zu schaffen. Gleichzeitig signalisiert sie den Lieferanten, dass Nachhaltigkeit ein relevantes Kriterium in der Geschäftsbeziehung ist.

Heute wird die Selbstbewertung jedoch stärker in einen übergeordneten Prozess eingebettet: Sie ist kein abschließendes Instrument, sondern dient als Grundlage für eine risikobasierte Einschätzung, auf deren Basis weitere Maßnahmen festgelegt werden. Insbesondere bei Lieferanten aus Regionen mit erhöhten Risiken sollte die Selbstauskunft immer durch zusätzliche Prüfungen ergänzt werden.

Erfolgsfaktor 3: Schulung und Unterstützung der Lieferanten

Die Erfahrung zeigt, dass die bloße Verpflichtung auf einen Verhaltenskodex und die Durchführung von Selbstbewertungen in vielen Fällen nicht ausreichen. Gerade in globalen Lieferketten fehlt es häufig an Wissen oder Strukturen, um die geforderten Standards umzusetzen.

Deshalb ist es sinnvoll, die Lieferanten aktiv zu unterstützen und durch Schulungen mit den Anforderungen vertraut zu machen. Diese Schulungen können sich auf einzelne Themen wie Arbeitsbedingungen, Umweltmanagement oder Compliance beziehen und sollten möglichst praxisnah gestaltet sein.

Neben unternehmensinternen Programmen bieten auch etablierte Initiativen und Zusammenschlüsse entsprechende Trainings an. Ziel ist es, die Lieferanten nicht nur zu kontrollieren, sondern sie langfristig in ihrer Entwicklung zu begleiten und Verbesserungen anzustoßen.

Erfolgsfaktor 4: Überprüfung durch Audits

Ein zentrales Element zur Überprüfung der Anforderungen ist das Audit vor Ort. Im Gegensatz zur Selbstbewertung ermöglicht es eine direkte Kontrolle der tatsächlichen Bedingungen und Prozesse beim Lieferanten.

Je nach Ausgestaltung kann ein Audit durch interne Mitarbeitende, durch das Kundenunternehmen selbst oder durch unabhängige Drittorganisationen durchgeführt werden. Gerade bei internationalen Lieferketten hat sich die Zusammenarbeit mit spezialisierten Auditorganisationen etabliert, da diese über lokale Expertise verfügen.

Gleichzeitig ist zu berücksichtigen, dass jedes Audit nur eine Momentaufnahme darstellt. Auch etablierte Systeme können keine umfassende und dauerhafte Einhaltung aller Standards garantieren. Aus diesem Grund sind regelmäßige Wiederholungen sowie ergänzende Maßnahmen notwendig.

Werden im Rahmen eines Audits Verstöße festgestellt, sollten diese durch konkrete Maßnahmenpläne behoben werden. Solche Korrekturmaßnahmen werden üblicherweise mit klaren Fristen versehen und in Folgeprüfungen erneut überprüft.

Erfolgsfaktor 5: Kontinuierliches Monitoring und Berichterstattung

Die nachhaltige Gestaltung der Lieferkette endet nicht mit der Durchführung einzelner Maßnahmen. Entscheidend ist, dass deren Wirksamkeit kontinuierlich überprüft und dokumentiert wird.

Hierzu werden geeignete Kennzahlen definiert, mit deren Hilfe sich Fortschritte messen und Entwicklungen nachvollziehen lassen. Beispiele sind der Anteil verpflichteter Lieferanten, die Ergebnisse von Audits oder die Transparenz über Produktionsstätten.

Darüber hinaus gewinnen zunehmend auch inhaltliche Leistungsindikatoren an Bedeutung, etwa im Hinblick auf Umweltwirkungen oder menschenrechtliche Risiken.

Das Monitoring ist heute eng mit der externen Berichterstattung verknüpft. Unternehmen sind zunehmend verpflichtet, ihre Maßnahmen, identifizierten Risiken und Fortschritte nachvollziehbar offenzulegen. Diese Anforderungen ergeben sich unter anderem aus nationalen und europäischen Regelwerken zur Sorgfaltspflicht in der Lieferkette, die eine systematische Überwachung und Dokumentation voraussetzen.