Bei der Analyse Ihres Beschaffungsmanagements ging es vor allem um drei Fragen: Wie sind die Beschaffungsprozesse in Ihrem Unternehmen gestaltet? Wer sind die einzelnen Akteure in Ihrer Lieferkette? Und wo gibt es ökologische und soziale Risiken in Ihrer Lieferkette?

Diese Analyse ist heute nicht nur eine freiwillige Maßnahme, sondern zunehmend durch gesetzliche Vorgaben wie das deutsche Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz (LkSG, seit 2023) sowie die EU-Lieferkettenrichtlinie (CSDDD, beschlossen 2024) relevant. Unternehmen sind verpflichtet, Risiken systematisch zu identifizieren, zu bewerten und zu adressieren.

Analysieren Sie Ihr eigenes Beschaffungsmanagement

Bevor Sie Maßnahmen für die Zukunft planen, ist der Blick darauf, was Sie heute bereits tun, unerlässlich. Dazu sollten Sie folgende Punkte in Ihrem Unternehmen klären:

Stakeholder

Kennen Sie Stakeholder Ihres Unternehmens, die sich für Beschaffung und Lieferkette Ihres Unternehmens interessieren? Beispiele hierfür könnten B2B-Kunden oder kritische Gruppen sein. Zunehmend gehören auch Investoren, Behörden und NGOs zu wichtigen Stakeholdern, da sie verstärkt Transparenz über ESG-Themen (Environmental, Social, Governance) einfordern.

Unternehmensleitbild

Spielen im Leitbild Ihres Unternehmens Nachhaltigkeit und speziell Anforderungen der nachhaltigen Beschaffung eine Rolle?

Strategie und Maßnahmen

Sind ökologische und soziale Aspekte in Ihrer Beschaffungsstrategie berücksichtigt? Haben Sie entsprechende Vorgaben an Ihre Lieferanten?

Verhaltenskodex für Lieferanten

Werden Zulieferbetriebe ganz konkret zu sozialen und ökologischen Anforderungen verpflichtet? Und werden sie verpflichtet diese Anforderungen an Subunternehmen weiterzugeben?

Handlungsanweisungen

Bestehen Dokumente, die konkrete Vorgehensweisen für ein nachhaltiges Beschaffungsmanagement intern und für Lieferanten beschreiben und regeln?

Überprüfung und Qualifikation von Lieferanten

Checken Sie Ihre Lieferanten bereits auf soziale und ökologische Anforderungen, beispielsweise durch Self Assessments von Lieferanten oder Audits? Unterstützen Sie Lieferanten dabei, soziale und ökologische Mindestanforderungen zu erfüllen?

Erfassen und analysieren Sie Ihre Lieferkette

Mit der Lieferkettenanalyse erhalten Sie einen Überblick über die einzelnen Akteure in Ihrer Lieferkette. Dann können Sie anschließend eher einschätzen, ob ein Lieferant aus einem „Risikoland“ stammt oder zu einer „Risikobranche“ gehört. Im Rahmen gesetzlicher Anforderungen (z. B. LkSG) ist diese Analyse Teil eines kontinuierlichen Risikomanagementprozesses und muss regelmäßig aktualisiert werden.

Zu erfassende Informationen:

  • Firmenname
  • Rechtsform
  • Genaue Anschrift der Produktionsstätte(n)
  • Kontaktperson
  • Land
  • Branche
  • Stufe in der Lieferkette (Verarbeitung, Transport, etc.)
  • Anzahl Mitarbeiter
  • Umsatz
  • Ihr Beschaffungsvolumen mit diesem Lieferanten
  • Vorliegende Zertifikate, Audits und Mitgliedschaften wie ISO 9001, ISO 14001, SA8000, Global Compact, ETI, BSCI, FLA, SA 8000
  • Wenn möglich Unterlieferantenstruktur sowie Angaben über Produktionsstandorte und Subunternehmer
  • CO₂-Emissionen (insbesondere Scope 3)
  • Informationen zu Energieverbrauch und Ressourcen
  • ESG-Kennzahlen und Nachhaltigkeitsberichte

Die Lieferkette ist nicht selten sehr komplex und nur wenige Unternehmen haben von Beginn an einen vollständigen Überblick. Gerade bei Subunternehmen der eigentlichen, Ihnen bekannten Lieferanten, hört die Transparenz meist auf. Beginnen Sie daher mit den wichtigsten Zulieferbetrieben und direkten Partnern in der Lieferkette.

Sammeln Sie Informationen über Risikobranchen und Risikoländer

Gerade für KMU erscheint es zunächst viel zu aufwendig, sich ausreichende und belastbare Informationen über besonders riskante Beschaffungsländer oder Branchen zu besorgen. Durch gesetzliche Anforderungen sind Unternehmen jedoch verpflichtet, sich auf relevante Risiken zu konzentrieren und eine risikobasierte Priorisierung vorzunehmen.

Zunächst gilt es herauszufinden, ob Ihre Produkte in einem Land hergestellt werden, in dem die Einhaltung von sozialen und ökologischen Mindeststandards nicht oder nur teilweise gesichert ist. Neben sozialen und klassischen Umweltaspekten sollten heute auch klimabezogene Risiken (z. B. physische Risiken durch den Klimawandel oder Transitionsrisiken) berücksichtigt werden.

Nutzen Sie dafür Informationen der nachstehenden Indizes. Tauschen Sie sich auch innerhalb der Branche beziehungsweise mit Ihrem Branchenverband aus.

  • Amfori/ BSCI-Liste zu Risikoländern mit Fokus auf soziale Themen
  • Korruptions-Index von Transparency International
  • Human Development Index der Vereinten Nationen
  • FTSE4Good
  • Weltbank: Länderklassifizierung nach Einkommen
  • Informationen der International Labour Organization (ILO)
  • Mapelcroft: bietet eine breite Auswahl an Indizes und Karten zu sozialen, ökologischen, politischen und wirtschaftlichen Themen